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Seidenweich ist das Bett, auf dem Dream aufwacht. Jede Zelle seines Körpers pocht mit seinem Herzschlag, ein tauber Schmerz umhüllt jedes Glied. Doch das Bett ist weich, und das ist ein Segen.
Über ihn scheint eine gedimmte Lampe ein kühles Licht auf ihn hinab. Er weiß nicht warum, aber der Fakt, dass das Licht nicht warm ist, legt etwas in ihm zur Ruhe. Trotzdem ist es ihm zu hell und er dreht seinen Kopf zur Seite.
Ihm ist warm, aber nicht ungemütlich. Die Luft um seine Nasenspitze ist kühl und er hat das Bedürfnis, sie unter die Decke zu stecken. Aber etwas fehlt.
Etwas fehlt.
Er ist sich nicht sicher was. Neben einem vagen Gefühl, das an seiner Brust nagt, hat er kein Indiz, dass irgendwas nicht stimmt. Aber er ist sich sicher, etwas sollte hier sein, hier bei ihm, aber es ist es nicht.
Mit einer Hand fährt er über das Kissen, auf dem sein Kopf liegt. Es ist groß, so lang wie das Bett breit ist. Dream liegt aber nicht mittig. Links von ihm ist noch viel Platz übrig. Aber da ist nichts. Niemand.
Niemand.
Da sollte jemand bei ihm sein.
Sein Atem wird schneller, seine Brust wird eng und seine Sicht verschwimmt mit plötzlichen Tränen. Schwarze Punkte tanzen in seinen Augen und er fühlt sich wie von etwas gepackt, das ihn nicht loslassen will.
Die Tür öffnet sich. Die Tür, die er vorher nicht wahrgenommen hat, öffnet sich und ein besorgt aussehender junger blonder Mann steckt seinen Kopf ins Zimmer.
"Dream?"
Mit einem Mal klingt die Panik in Dreams Kehle ab. Die Stimme des jungen Mannes ist wie Balsam auf seinem Herzen, so zaghaft sie auch klingt.
Der junge Mann tritt nun komplett in den Raum ein und schließt die Tür hinter sich. Dream weiß nicht warum ihn das nervös macht, und warum die Präsenz des jungen Mannes ihn gleichzeitig so beruhigt.
"Wo bin ich?" fragt Dream mit kratziger Stimme. Seine Augenlieder wiegen je eine Tonne und es bedarf eine immense Kraft, sie offen zu halten, aber er braucht Antworten.
"Du… bist bei mir zuhause."
In seinem Bett vielleicht sogar? Dreams Augen streifen über den Körper des jungen Mannes und hat Hoffnung.
"Und wer bist du?"
Erst als er es fragt, realisiert er, dass er es wirklich nicht weiß. Dieser Fremde, in dessen Bett er sich befindet, in dessen Haus er aufgewacht ist… er ist ihm völlig unbekannt.
Der junge Mann stockt und starrt ihn lange ungläubig an. "Was?" raunt er.
Dream fühlt sich schlecht. Der andere muss ihm seinen Namen letzte Nacht mitgeteilt haben, aber Dream kann sich beim besten Willen nicht daran erinnern. Geschweige denn an letzte Nacht.
Wenn er so darüber nachdenkt, kann er sich an gar nichts erinnern. Das sollte ihm zu schaffen machen.
"Dein… dein Name? Verdammt, tut mir leid, aber ich weiß nicht— ich erinner mich nicht— naja, an nichts, außer— Ich bin Dream." Verlegen kratzt er sich am Kopf und ignoriert dabei den Schmerz bei jeder Bewegung.
Weiter guckt ihn der junge Mann mit ungläubigen Augen an. Die Stille wird langsam echt unangenehm.
"Du erinnerst dich an nichts?" fragt er leise und macht vorsichtige Schritte in Dreams Richtung.
Dream schaut zwischen den Augen des anderen hin und her und atmet aus. Etwas an dem andern beruhigt ihn. Er schüttelt den Kopf.
"Nichts. Nur mein Name."
Das sollte ihn zutiefst beunruhigen. Tut es aber nicht. Nicht, wenn er in die eisblauen Augen des anderen schaut.
Der andere fährt sich durch die Haare und atmet einmal heftig aus. Ein Lächeln streckt sich vorsichtig über seine Lippen.
"Das ist nicht schlimm. Damit können wir arbeiten," sagt Tommy und schaut, zu Dreams endloser Enttäuschung, suchend zur Seite.
"Wie ist dein Name?" fragt Dream dann und bekommt die Aufmerksamkeit des anderen wieder zurück.
"Ich—" er schließt die Augen, atmet einmal tief ein, setzt sich halb zu Dream aufs Bett und lächelt ihn an , "Ich bin Tommy."
"Schön, dich kennenzulernen, Tommy." Der Name schmeckt süß auf seiner Zunge und er möchte ihn immer und immer wiederholen. Vielleicht ist deshalb seine Stimme so rau. "Woher kennen wir uns?"
Tommy schluckt, sichtlich nervös, und antwortet: "Wir— wir sind zusammen."
Die Information liegt schwer auf Dreams Brust. Seine Augen weiten sich vor Überraschung.
"Sind wir— sind wir das?" fragt er erstaunt.
Tommy nickt und legt sich zu Dream, dessen Herz höher schlägt. "Mh-hm. Seit einem Jahr."
Dream dreht sich auf die Seite und schaut Tommy an. Auch wenn der andere ihm völlig unbekannt erscheint, so strahlt er doch etwas anziehendes aus. Vielleicht ist es das. Dream streckt eine Hand nach Tommy aus und bemerkt erst dann die Narben die seine eigene Haut zieren. Narben, die er nicht kennt. Tommy nimmt seine Hand und alle Fragen, die Dream sich gestellt hat, erlischen sogleich in seinem Geist.
Was auch immer passiert ist, es muss nicht wichtig sein. Im Angesicht der eisblauen Augen, die so intensiv auf ihn gerichtet sind, scheint nichts anderes wichtig zu sein.
