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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2026-05-24
Completed:
2026-05-24
Words:
1,608
Chapters:
2/2
Comments:
4
Kudos:
13
Hits:
65

Mit dir lässt es sich Miaushalten

Summary:

Neues aus dem Ratverse: Leo entdeckt seine Tiergestalt, und er muss ausgerechnet ein Kater sein. Das kann doch nicht funktionieren!

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Chapter Text

Es war schon drei am Nachmittag, und von Leo war immer noch nichts zu hören. Adam blickte besorgt auf sein Handy. Die Funkstille gestern war schon seltsam, aber sie hatten beide getrennt voneinander Pläne. Es kam selten vor, dass Leo darauf vergaß, ihm zumindest eine gute Nacht zu wünschen, nur manchmal passierte es eben. Aber heute? Heute wollte Adam doch unbedingt zu Leo, am Sofa kuscheln. Eindeutig als Mensch, vielleicht auch als Ratte. Tat ihm beides auf unterschiedliche Weise gut. Und dieser Leo war einfach nicht zu erreichen.

 

Adam warf die Autotür hinter sich zu und klingelte und klingelte. Nichts. Besorgt ließ er sich mit dem Rücken gegen die Tür fallen und starrte frustriert auf die kleine Grünfläche vor der Wohnanlage. Gerade wollte er überlegen, was mit Leo los sein könnte, da erregte etwas in seinem Augenwinkel Adams Aufmerksamkeit.

 

Es raschelte in dem hohen Baum vor Leos Fenster. Eindeutig. Zwischen den braunen Ästen war es schwer zu erkennen, aber da war mit Sicherheit etwas ebenso braunes, flauschiges auf diesem Baum. Zu groß für ein Eichkätzchen, aber was dann?

 

Adams Herz setzte kurz aus, als er ein Paar traurige grüne Augen erblickte und gleichzeitig das herzzerreißendste Maunzen hörte, das es auf Erden gab. Leo. Adam musste nicht fragen, er wusste es einfach. Sein bester Freund war ein fucking Gestaltenwandler, und jetzt saß er auf dem Baum vor seiner eigenen Wohnung fest. Adam trat einen Schritt näher, aber Leo kauerte sich nur noch tiefer in die Blätter. Sein Fell sah struppig aus und sein Körper zitterte vor Angst. Wie lange er da wohl schon oben saß, fragte sich Adam. Leo musste hier runter, etwas trinken und essen.

 

“Leo?” rief Adam sanft. “Leo, es wird alles gut.”

 

Wieder dieses klägliche Maunzen.

 

Adam rannte zurück zum Auto und holte einer der Pappboxen, die er extra für heute Abend mitgebracht hatte. Ente mit Reis, so gefreut hatte er sich, aber jetzt wurde es wohl Leos Ente. Er fischte ein Stück Fleisch aus der Box und ging zum Baum. Obwohl Leo sehr weit oben saß, war es für Adam leicht, sich mit der Ente in der Hand den meisten Weg entgegenzustrecken. 

 

“Alles okay, ich weiß, das ist beim ersten Mal etwas gruselig. Dir kann nichts geschehen.”

 

Leo schnüffelte nervös.

 

“Das ist soooo eine gute Ente, nur ein paar Schritte, dann gehört sie dir.”

 

Tatsächlich tappte Leo ein bisschen vorwärts. Die Angst in seinen Augen war groß, aber der Hunger musste inzwischen größer sein. Adam ließ seinen Arm gestreckt und wartete geduldig, bis es Leo zu seinen Fingern geschafft hatte. Bei jeden Bissen zog er seine Hand ein Stück näher, ganz langsam und schnappte dann mit seiner anderen Hand den Kater. Während er Leo, der genüsslich Adams Finger ableckte, auf die Wiese setzte, stellte er fest, dass er trotz des leicht filzigen Fells eigentlich ein sehr prächtiges Tier war. Graubraune Streifen überzogen seinen Rücken, und am Bauch hing sein weißes Fell in lagen Zotten herab.

 

Ein Blick hinter den Baum verriet Adam dann auch endlich, wie es Leo auf den Baum geschafft hatte. Das Fenster stand offen. Das Fenster zu Leos verdammter Wohnung. Und wie es das Schicksal wollte, waren sowohl Leos Kleidung als auch sein Schlüssel da drinnen.

 

“Na komm, du ruhst dich erst Mal im Auto aus und ich besorg uns deinen Reserveschlüssel.”

 

Adam trug den Kater in sein Auto und machte sich zu Fuß auf den Weg zu Caro. Das Letzte, was er jetzt brauchte, war ein panischer Leo, dem die Motorengeräusche zu laut waren. Als er zurückkam, saß Leo am Beifahrersitz, etwas durch den Wind und sehr, sehr menschlich, mit einer Decke um die Schultern und einer Plastikflasche in den Händen.

 

“Danke, Adam”, flüsterte Leo. “Ich hatte solche Angst da oben. Ich weiß nicht, wie ich plötzlich- plötzlich-” sein Atem kam zu rasch. 

 

Adam nahm ihn vorsichtig in den Arm und hielt ihn fest.

 

“Ich hab dich, shhhh.” Leo krallte sich in Adams Schultern. “Einfach mit mir Atmen, das geht gleich vorbei.” Mit jedem Atemzug strich er sanft Leos Rücken entlang, als würde er die Angst aus ihm rausstreicheln.

 

Bis Leo frisch geduscht und mit einem heißen Tee auf seinem Bett saß, hatte er kaum ein Wort gesprochen. Natürlich tat das Adam weh, aber er gab ihm die Zeit, die er brauchte. Half ihm mit dem Abtrocknen, mit dem Wasserkocher, und wartete schließlich auf der Bettkante sitzend. Leo blickte ihn lächelnd an, aber in seinen Augen war immer noch eine gewisse Traurigkeit.

 

“Jetzt sind wir schon zu zweit, hm?”, sagte Adam.

 

“Ja…”

 

“War es denn so schlimm? Ich stell mir Katze eigentlich ganz angenehm vor.”

 

“Adam ich-” Leo schluckte einen Kloß in seinem Rachen runter. Im Schein der Nachttischlampen glänzten seine Augen verräterisch feucht. “Du bist eine Ratte, verdammt noch mal! Ich bin eine Gefahr für dich!”

 

“Oh…” murmelte Adam nur.

 

“Von allen Tieren muss ich mich ausgerechnet in etwas verwandeln, das Ratten frisst. Wie krank ist das denn bitte? Das ist so gefährlich, wenn wir beide gleichzeitig-”

 

“Leo. Hey, Leo” Adam griff nach Leos Hand und drückte sie. “Jetzt sind wir beide Menschen, kann gar nichts passieren.”

 

Leo ließ seinen Kopf gegen die Wand hinter ihm fallen und versuchte, sich zu beruhigen.

 

“Ich glaub ich weiß, warum du ein Kater bist.”

 

“Ein grausames Spiel des Universums?”

 

“Du beschützt gerne Leute. Bist ruhig und sanft, bis jemand in Gefahr ist, dann bist du ganz schnell und immer so stark. Leo, ich glaube nicht, dass du gefährlich bist. So ein schönes Tier, mit flauschigem Fell, schnurrt richtig laut? Und vorhin auf dem Baum, da warst du ganz sanft. Kein Fauchen, kein Kratzen. Du bist bestimmt ein Schutzkater.”

 

Leo schluchzte ganz leise.

 

“Ich vertrau dir. Ich vertrau dir jetzt. Und auch, wenn ich ganz klein und verletzlich bin, vertrau ich dir.”

 

“Aber… aber meine Instinkte.”

 

“Ich kann natürlich nicht für jeden Gestaltwandler sprechen, aber bei mir ist das nicht so. Ja, ich bin eine Ratte, innen und außen, aber ich erinnere mich immer an dich. Da ist immer noch der große Adam drin, egal wie rattig ich aussehe.”

 

“Fuck, danke Adam. Das hilft wirklich.”

 

“Hmmm, kein Ding.”

 

“Eine Frage hab ich aber.”

 

“Schieß los.”

 

“Ist noch Ente da?”