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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-04-08
Updated:
2026-04-23
Words:
14,433
Chapters:
3/?
Kudos:
1
Hits:
24

wither and bloom

Summary:

Ferienzeit bei girugamesh! Doch dank Satoshis chaotischer Planung verläuft der Urlaub alles andere als reibungslos. Und wäre das nicht schon schlimm genug, trüben einst tief vergrabene Gefühle und Geheimnisse die sehnlichst herbeigesehnte Urlaubsstimmung. Steht am Ende nicht nur ihre Reise, sondern auch ihre Freundschaft auf dem Spiel? Ryo/Satoshi

Chapter 1: Eine Autofahrt, die ist lustig

Chapter Text

Herzlich willkommen!

Kennt überhaupt noch jemand girugamesh und klickt hier drauf?
Falls ja, würde es mich natürlich freuen, wenn diese Geschichte noch in irgendeiner Weise Anklang findet.

Ursprünglich entstanden ist sie 2009, doch seit mehr als einem Jahr habe ich girugamesh wieder neu für mich entdeckt und alles aufgeholt, was ich in den Jahren nach 2012 verpasst habe, als ich sie damals aus den Augen verloren hatte. Also habe ich diese Geschichte umgeschrieben, neue Ideen entwickelt und angepasst. Dass Ryo und Nii tatsächlich leibliche Brüder sind, war zum damaligen Zeitpunkt schließlich auch noch nicht offiziell.

Vielleicht kommt da noch mehr, genug neue Ideen und auch Geschichten aus vergangenen Tagen hätte ich zumindest, die nie abgeschlossen wurden.

Das soll einfach eine Art schöne Erinnerung an diese großartige Band sein, die sich ja leider schon getrennt haben.

Was ich euch allerdings sehr ans Herz legen kann, ist Ryos YouTube-Kanal:
https://www.youtube.com/@ryo_trackmaker

Und bei dem hier werden regelmäßig alte Videos hochgeladen. Auch viele gelöschte Demo Songs von girugamesh, gesungen von Ryo.
Genauso wie die ganzen Cover-Songs von ihm, die er fast alle von seinem Kanal gelöscht hat.
https://www.youtube.com/@girugamesh-memories

 

Diese Geschichte spielt übrigens zur Crazy Tour Zeit, dass ihr ein ungefähres Bild habt, was die Optik von ihnen betrifft.

Na dann. Los geht's!

 

****

Kapitel 1

Eine Autofahrt, die ist lustig

 

Nach monatelanger harter und mühsamer Arbeit hatten sie endlich ihr Ziel erreicht: Urlaub!

Vor einiger Zeit beschlossen sie, Ferien zu machen und dieses Mal hatte Satoshi die Ehre, alles zu planen. Dieser hatte nämlich so darum gebettelt, obwohl seine Freunde doch genau wussten, was für ein furchtbarer Chaot er in dieser Hinsicht war. Solche Ereignisse zu organisieren, war noch nie sein Fall gewesen, aber wenn sie schon einmal nach langer Zeit wieder gemeinsam ihre freien Tage verbringen wollten, bestand Satoshi darauf, dieses Mal alles allein in die Hand nehmen zu dürfen.

Die vier hauptsächlich schwarz gekleideten Freunde und Bandkollegen, fuhren gerade mit dem Auto in die sogenannte 'Freiheit'. ShuU, der am Steuer saß, betrachtete die Umgebung misstrauisch. Langsam aber sicher waren sie mitten im Nirgendwo gelandet.

"Hey, Nii! Gib mir mal die Karte! Ich habe keinen Plan mehr, wo wir hier sind!" Der Angesprochene legte gezwungenermaßen den Nintendo DS, der eigentlich Ryo gehörte, zur Seite und suchte daraufhin mit einem schweren Seufzen widerwillig in seiner Tasche herum.

"Was wärst du bloß ohne mich!", scherzte der Gitarrist und knallte ihm die gefundene Karte mitten ins Gesicht. "Du hast dich verfahren! Gib es schon zu!"

Der Fahrende blickte in die Karte und nickte zustimmend. "Ja, gebe ich doch!", schniefte ShuU gespielt und begutachtete weiterhin misstrauisch die Landkarte. "Wir müssten etwa hier sein..." Der Bassist streifte mit dem Finger über die Linien und stoppte dann. "...Aber wir sind hier... genau am Ende der anderen Seite... wo wir rein gar nichts verloren hätten!"

Nii konnte daraufhin nur den Kopf schütteln und lachte ein wenig. "Und ich dachte, man könnte sich auf dich verlassen, Leader-sama! Ts~! Ich bin maßlos enttäuscht von dir!", sagte er und wuschelte dem schniefenden ShuU durchs Haar.

"Dachte ich auch, was nun? Ich bin schuld, wenn wir alle mitten in der Wildnis draufgehen und von wilden Bären gefressen werden!"

"Genau!", bestätigte der Gitarrist dessen Worte. "Geh dich schämen! Ich hoffe, die Bären verderben sich den Magen an deinem zähen Klappergerüst!" Nii fing lauthals an zu lachen und hielt sich dabei den Bauch.

"Hey! Wann geht es denn endlich weiter?!", murrte ein verwuschelter Lockenkopf von der Rückbank.

"Wir haben uns verfahren und das nur, weil DU unbedingt vorhin noch zu einem Imbiss wolltest. Seitdem hat er..." Nii deutete mit dem Zeigefinger auf den Bassisten. "...Komplett die Orientierung verloren! Und jetzt werden wir alle sterben!" Ein wenig Übertreibung konnte nicht schaden, schließlich ging es um nichts Geringeres als um das Leben aller hier Anwesenden.

"Nein, ich kann doch nichts dafür! Ich hatte heute eben noch kein Frühstück, aber ich will nicht schuld sein, wenn wir alle qualvoll in der Pampa verrecken!" Satoshi blickte entgeistert zwischen ShuU und Nii hin und her. Als ob das allein seine Schuld war! Er fuhr den Karren schließlich nicht.

"Doch! Du allein trägst dafür die Verantwortung, Satoshi! DU!"

Nii stürzte sich lachend nach hinten auf den Sänger und schmiss sich auf ihn, um ihn zu verkloppen.

Ryo, der still neben den beiden saß und das Geschehen die ganze Zeit über schweigend beobachtet hatte, seufzte laut auf. Er krabbelte nach vorne auf den Beifahrersitz zu dem heulenden ShuU und entriss ihm kurz entschlossen die Karte, während ihm eine Zigarette im Mundwinkel hing.

"Fahr ein paar Meter zurück auf diese Straße, dann rechts um die Ecke, geradeaus und dann links. Bei der einen Straße, wo vorhin das große Haus stand, abbiegen und dann sind wir wieder auf dem richtigen Weg!", erklärte Ryo dem Bassisten ausführlich, doch dieser starrte ihn nun völlig entgeistert an.

"Ehm, Ryo, ich habe kein Wort von dem verstanden, was du da gerade gesagt hast." Etwas verlegen kratzte ShuU sich mit der freien Hand am Hinterkopf. Warum war Ryo manchmal so kompliziert im Denken und Erklären, oder war er oft zu begriffsstutzig?

"Boah! Lass mich fahren, du bist unfähig!", schnaufte der Jüngste, schnippte beiläufig seine Zigarette aus dem Fenster, die er zuvor zur Sicherheit an der Tür ausgedrückt hatte. Immerhin waren sie hier mitten im Wald.

"Aber du hast gar keinen Führerschein, Ryo!"

"WEN JUCKT'S!" Er stieß ShuU ohne Rücksicht vom Sitz und drückte heftig auf das Gas, woraufhin die drei anderen Bandmitglieder schreiend gegen ihre Sitze knallten.

Eine halbe Stunde verging und allmählich waren sie dank Ryo nun auf dem richtigen Weg. Laut Karte war das vermeintliche Hotel nicht mehr weit entfernt.

"Bald sind wir da!", rief der kleine Drummer seinen Freunden zu.

"Wie lange noch?", quengelte Satoshi plötzlich von hinten.

"Ich sagte doch gerade, BALD!"

"Und was heißt 'bald'?!"

"Bald heißt... sei endlich still, oder ich verpass dir eine!"

"Pah! Mach doch!"

"Ich muss schließlich fahren. Oder willst du?"

"Ryo! Wann ist bald? Ich bin schon so gespannt, wie euch das Hotel gefallen wird, das ich ausgesucht habe. Man, jetzt sag doch!"

Satoshi streckte mit einem dicken Grinsen im Gesicht die Arme nach vorne und kitzelte den Fahrenden von hinten auf einmal am Bauch.

"Wah~!" Ryo erschrak so heftig, dass er mit dem Auto sofort gegen den nächsten Baum knallte. "Den Fahrer kitzeln, eine richtig gute Idee, Sato... ich bring dich um!"

"Öhm... ups.... das war.... völlig unbeabsichtigt!" Was waren die heute alle verkrampft und mies gelaunt. Satoshi wollte doch nur die Stimmung etwas auflockern. Wer konnte denn ahnen, dass Ryo gleich so rumzappeln würde, wenn er ihn nur ein wenig kitzelte.

Lodernd drehte sich dieser gerade zum Lockenkopf um und sprang ihm wutentbrannt nach hinten an die Gurgel.

"Mensch, kill ihn bloß nicht! Wir brauchen ihn schließlich noch!", schmunzelte Nii und krabbelte anschließend aus dem Auto.

ShuU war sofort nach dem Aufprall nach draußen gestürmt und fiel unterdessen schluchzend über seinen Wagen her. "Nein... es ist tot... was hat der fiese kleine Ryo dir bloß angetan!"

"Krieg dich wieder ein! Mich interessiert jetzt viel mehr, wie wir zum Hotel kommen sollen. Das ist wichtiger als dein ohnehin schon kaputtes Auto!", meinte Nii genervt.

"Ich habe es zu meinem zwanzigsten Geburtstag geschenkt bekommen! Es hat mir all die Jahre beigestanden! Ich habe es geliebt!", heulte ShuU weiter.

"Tja~ ändert nichts an der Tatsache, dass wir noch immer festsitzen und unsere zwei Intelligenzbolzen, denen wir das zu verdanken haben, erwürgen sich gerade gegenseitig."

"Ich habe gewonnen! Er ist ein NICHTS gegen mich! HAHA!" Der Drummer stolzierte triumphierend aus dem Auto, gefolgt von Satoshi, der keuchend hinterherkam.

"Wah~... ich hasse dich, du dämlicher Schlumpf!" Nach diesem Satz streckte besagter 'Schlumpf' sein Knie ruckartig aus und verpasste ihm einen Tritt in die Weichteile. Satoshi sank zu Boden und hielt sich wimmernd beide Hände an seine Körpermitte gedrückt. "Ah, du mieser kleiner..." Seine Rache würde grausam werden, das versprach sich Satoshi bereits.

"Ja, wir wissen es, ihr habt euch lieb. Und wie kommen wir jetzt zum Hotel?", fragte Nii abermals genervt.

"Na, mit der Karte", sagte Ryo und hielt dem Gitarristen den Fetzen Papier vor die Nase, auf dem in einem knalligen, pinken Kreis das Hotel eingezeichnet war. "Also, packt eure Sachen, wir müssen da jetzt wohl hin latschen! Und ShuU, sei ein Mann und hör auf, hier rumzuheulen!"
Was für ein Theater heute wieder. Besonders Satoshi strapazierte seine Nerven extrem.

Ryo ging ein paar Schritte vor, zündete sich eine Zigarette an und blickte auffordernd zu den drei Vollpfosten hinter sich.

"Aber... mein Auto... es war doch noch so jung!" Schnaufend zerrte Nii das schluchzende Wrack mit sich. Satoshi folgte ihnen in humpelnden Schritten, jammerte dabei immer wieder etwas wie: "Dafür wirst du bezahlen, du Gartenzwerg" und "Deine Stitch-Sammlung wird brennen" und hielt dabei immer noch eine Hand gegen seinen schmerzenden Schritt gedrückt.

Nach anstrengenden und sehr nervenaufreibenden 30 Minuten und insgesamt 15 gerauchten Zigaretten von Ryo und ShuU waren sie irgendwo mitten in der Pampa an ihrem Ziel angekommen.

"WIR SIND ENDLICH DA!" Satoshi machte einen großen Luftsprung und deutete strahlend auf das Haus vor ihnen. "Ist es nicht wunderschön?!"

Den dreien fiel bei dem sich vor ihnen dargebotenen Anblick die Kinnlade vor Schreck herunter. "DAS ist es?!", fragten sie fast gleichzeitig den aufgeregten Sänger.

"Ja! Ist es nicht einfach perfekt?", strahlte Satoshi über beide Ohren.

"Perfekt? Na klar! Wenn du einen Horrorfilm drehen willst!", murrte der Kleinste von ihnen.

"Das ist jetzt aber nicht dein Ernst, oder?", fragte ShuU ebenso schockiert.

Das sogenannte 'Haus' machte einen mehr als baufälligen Eindruck. Die Farbe war an allen Seiten abgeblättert und die Fenster augenscheinlich kaum sichtbar, da sie von wildem Gestrüpp verdeckt wurden. Es gab nur kleine Balkone, bei denen sich oben schon das Dach ablöste und auf einer Seite war es komplett abgebrochen. Keine riesengroße Terrasse, wie von Satoshi einst freudig beschrieben. Kein Pool, kein Garnichts, außer vielleicht herumliegendem Müll. Zwar war direkt vor dem 'Hotel' der Strand mitsamt anliegendem See, doch das war das einzig Positive.

"Sowas kommt halt dabei heraus, wenn wir Satoshi unsere Ferien planen lassen: Eine Katastrophe! Da hätten wir gleich in der Wildnis bei den Wölfen hausen können!", schmunzelte Nii, aber schüttelte gleichzeitig den Kopf.

"Ach was! Du bist einfach ein verwöhnter Bengel! Du wirst sehen! Diese Ferien werden die schönsten unseres Lebens!", lachte der Sänger und schob seine Freunde zum Eingang, wo ein sehr kleiner alter Mann ihnen bekleidet in einer zu knappen, bunten Badehose und Hawaii-Hemd die Tür öffnete und sie halb zahnlos angrinste.

"Meine Gäste sind endlich da!", rief der alte Mann ihnen entgegen.

Satoshi blickte ihn bedröppelt an und bekam dann einen riesigen Lachanfall. Ryo schüttelte den Kopf, musste sich aber selbst schwer das Lachen verkneifen.

"Ehm... nein... da liegt ein Missverständnis vor... wir werden wohl wieder abreisen müssen, denn dieses Haus steht wahrscheinlich nicht mehr so lange!", mischte sich der Gitarrist ein, der zwischen seinem kleinen Bruder und Satoshi stand und damit versuchte, die Lage zu entschärfen.

"WAS! Rede keinen Mist, Nii!" Satoshi verbeugte sich vor dem Greis und kicherte dabei immer noch haltungslos.

"Bitte entschuldigen Sie diesen Idioten! In seinem Herzen ist er eben immer noch ein großes Kind. Am besten bringe ich ihn wieder zurück ins Spieleparadies, dann gibt er Ruhe!" ShuU war das alles auch langsam zu bunt. Das sollten doch erholsame Ferien werden, mit Spiel, Spaß und Freude. Die einzige Freude hier wäre dann wohl, am nächsten Morgen wieder lebendig aufzuwachen.

"Du willst ernsthaft hierbleiben, Satoshi?", nuschelte Nii dem Sänger ins Ohr.

"Na klar! Was habt ihr denn alle? Verwöhntes Pack!"

"So schlimm finde ich es auch nicht. Die paar Nächte werden wir wohl darin überleben und immerhin werden wir doch nicht die einzigen Gäste hier sein", meinte Ryo vernünftig und hob dabei seinen Zeigefinger.

"Genau! Wenigstens einer, der noch klar bei Verstand ist und meine Bemühungen zu schätzen weiß!" Wie erfreulich, dass Satoshi wenigstens noch einen Verbündeten hatte, dachte er jedenfalls. Auch wenn der sogenannte 'Verbündete' ihm noch vor weniger als einer Stunde heftig in den Schritt getreten hatte. Vergeben und vergessen. Solange Ryo von nun an auf seiner Seite war.

"Hier, die Zimmerschlüssel!", quiekte der alte Mann und streckte Nii die Schlüssel entgegen. "Nur zwei? Ich habe dir ausdrücklich gesagt, dass jeder ein Einzelzimmer will!"

"Ja... ach richtig... das habe ich glatt vergessen, euch zu sagen. Wir müssen uns die beiden Zimmer teilen." Satoshi kratzte sich verlegen am Hinterkopf. "Ich habe das voll verschusselt, die richtige Anzahl auszuwählen, weil ich nebenbei ein Drama geschaut habe, und das hat mich dann etwas abgelenkt."

Der Gitarrist fasste sich daraufhin schnaufend an die Stirn. "Bist du echt so blöd, oder tust du nur so?"

"Ist das eine Frage oder eine Feststellung? Wenn ja, dann nehme ich es dir übel!" Satoshi schüttelte den Kopf. Meine Güte, das konnte doch jedem mal passieren, sich da zu verklicken. Technik war auch noch nie besonders Satoshis Fall gewesen. Er hatte eben andere positive Eigenschaften!

"Aber bis vier zählen, kannst du schon?", zog Nii ihn weiter auf.

"Ich opfere mich und gehe mit dem Trottel in ein Zimmer. Du mit ShuU, damit wir hier endlich weiterkommen!", mischte sich der Drummer nun ein und zog Satoshi entschlossen an der Hand mit sich, seine Widerworte dabei knallhart ignorierend.

Irgendjemand musste sich schließlich breitschlagen, mit dem verrückten Sänger, dem sie dieses großartige Ferienhäuschen zu verdanken haben, ein gemeinsames Zimmer zu teilen.

Außerdem war Ryo gerne in der Nähe von Satoshi. In letzter Zeit immer mehr, zwar auch, weil sie ständig am Touren waren, aber selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte er unbewusst nach dessen Nähe gesucht. Satoshi zog ihn wie magisch an, ohne dass er sich darüber wirklich im Klaren war und den anderen schien das ebenfalls nicht großartig aufzufallen – Satoshi wohl am allerwenigsten.

"Was für ein schönes Zimmer!", strahlte der Sänger kurz darauf wieder freudig und sprang von einer Ecke zur nächsten, während er die spärliche Einrichtung begutachtete, die zweifelsohne vollständig von einem Flohmarkt stammen musste.

"Seit wann leidest du bitte so sehr an einer gewaltigen Geschmacksverirrung? Was ist denn mit dir los?" Ryo setzte sich auf das mit Teddybär-Muster bedruckte Laken von einem der beiden Betten im Raum und blickte Satoshi verwirrt an.

"Was denn? Ich finde es hier eben sehr schön!", grinste Satoshi über beide Ohren, nahm plötzlich Anlauf und hüpfte mit weit ausgestreckten Armen auf das Bett von Ryo. Als er sich hinlegte, strahlte er in das genervt wirkende Gesicht des Kleineren neben sich.

"Wie auch immer...", nuschelte Ryo nur nachdenklich, blickte dennoch abrupt von Satoshi weg, als sich ihre Augen trafen und stand dann hastig auf. "Ich bin mal duschen." Wenigstens gab es in jedem Zimmern ein eigenes Bad. Wäre noch schöner, wenn sie sich das mit anderen Gästen hätten teilen müssen. Wobei es nicht den Anschein hatte, als wäre das Hotel großartig gut besucht. Außer ihnen hatte er hier bei ihrer Ankunft niemanden gesehen. Welch eine Überraschung!

Ohne noch ein weiteres Wort an Satoshi zu richten, betrat Ryo das Badezimmer und betrachtete sich kurz im Spiegel über dem Waschbecken. "Sato verhält sich echt merkwürdig... ich wusste ja schon immer, dass er einen gewaltigen Knall hat, aber dass er uns in so eine Bruchbude steckt. Wir können echt froh sein, wenn die Hütte bis morgen früh überhaupt noch steht...", nuschelte er gedankenverloren vor sich hin.

Er schaute in den beschädigten Spiegel und wischte einige Flecken vom Glas, um sich besser begutachten zu können. Er sah so verdammt müde aus, dass er mit seinen Augenringen glatt in der Geisterbahn auftreten könnte. "Da hatte Nii gar nicht so Unrecht mit seiner Befürchtung...", murmelte Ryo leise grinsend und zog sich dann etwas schwerfällig aus.

Draußen war es mittlerweile dunkel geworden und er war sichtlich erschöpft. Sie waren immerhin bereits seit heute Morgen unterwegs gewesen und er schwitzte. Eine kalte Dusche wäre jetzt genau das Richtige.

In Unterwäsche und mit einem Handtuch auf dem Kopf, kam er nach etwa einer halben Stunde zurück in das Zimmer.

"Du kannst jetzt auch duschen, das Bad ist frei. Aber hol dir da drin bloß keine Blutvergiftung! Da haben wohl schon die Römer gebadet." Er lachte ein wenig, obwohl das eigentlich gar nicht witzig, eher fürchterlich war, doch Satoshi gab keinen Mucks von sich. Ryo hatte sich zumindest eine kleine Reaktion von ihm erwartet.

Der Drummer ging ein paar Schritte auf Satoshis Bett zu und stellte dann fest, dass der Sänger bereits eingeschlafen war und leise vor sich hin schnarchte.
Ryo beugte sich über den Schlafenden, griff nach der Decke und legte sie sorgfältig über ihn.

"Gute Nacht, du Trottel", schmunzelte er leise und legte sich dann ebenfalls in sein Bett, das auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes stand.

Der Tag war tatsächlich sehr anstrengend gewesen und als Ryo sich in das Kissen fallen ließ, merkte er erst so richtig, wie ausgelaugt und todmüde er war. Zudem spürte er eine gewisse Schwermut.

Er blickte noch einmal zu Satoshi hinüber, der den Schlaf der Gerechten schlief, während sein Schnarchen dabei immer lauter wurde.

"Ach fuck, wie soll ich denn da bitte schlafen können!" Mit einem Seufzen drückte Ryo sich das Kissen an die Ohren. Hätte er sich bloß nicht freiwillig dazu bereit erklärt, mit Satoshi ein Zimmer zu teilen; der war schließlich bekannt für seine Schnarchkünste.

Dennoch siegte irgendwann die Müdigkeit und die Augen des Drummers fielen zu. Bis zum nächsten Morgen wollten sie sich nicht mehr öffnen lassen, doch ein gewisser Sänger hatte wieder andere Pläne für ihn parat.

Nach etwa vier Stunden des wohlverdienten Schlafes hörte der Drummer plötzlich Satoshis sanfte Stimme rufen.

"Ryo, hey, Ryooo!"

Der eben noch Schlafende öffnete widerwillig die Augen und fragte sich, ob er immer noch träumte und ob das nur ein besonders miserabler Albtraum war.

"Was ist denn... was willst du?", nuschelte Ryo verschlafen und rieb sich mit der rechten Hand über die Augen. Um Himmels Willen, er war so müde und hatte gerade keinen Nerv für Satoshis unlustige Späße.

"Da... da... da drüben... da ist... was...", stammelte der Sänger mit zitternder Stimme, während er auf allen Vieren auf dem Boden immer näher zu Ryos Bett kroch. Als er dort ankam, klammerte er sich am Bettpfosten fest und starrte ängstlich zu Ryo auf. "Guck doch auch mal!" Obwohl es nahezu stockdunkel im Zimmer war, konnte man dank des Mondlichts immer noch gut Schemen und Umrisse erkennen.

"Was... verdammt nochmal... lass mich schlafen... und hör auf... mir auf den Sack zu gehen...", murmelte Ryo genervt, drehte sich auf die andere Seite und versuchte, den Sänger angestrengt zu ignorieren. Dabei vergrub er das Gesicht tief in sein Kissen und blinzelte leicht. Warum zum Geier fühlte sich der Stoff so merkwürdig an. Irgendwie nass? Die anderen haben schon oft gemeint, dass er beim Schlafen immer sabbern würde. Sich sogar manchmal den Daumen in den Mund steckte und daran nuckelte. Wie albern und peinlich war das denn. Zumindest mit dem Sabbern könnten sie sogar recht haben. Alles andere würde er weitestgehend abstreiten; denn er war doch ein Mann und kein Baby!

"Aber da... hat sich... etwas... bewegt... ich glaube... es ist... ein...", stammelte der Ältere, seine Stimme bebte regelrecht vor Angst. Satoshi hatte die Augen weit aufgerissen und zitterte wie Espenlaub, was Ryo natürlich nicht sehen konnte; ansonsten hätte er Satoshi vielleicht eher zugehört.

"Halt die Klappe... und geh wieder schlafen... du elende Nervensäge..."
Keinen Nerv, absolut gar keinen Nerv hatte er gerade für Satoshis dumme Scherze.

"Aber... da ist...", stammelte Satoshi und blickte konzentriert in die Dunkelheit. Plötzlich flatterte etwas Helles vor seinem Auge auf und er schrie.

"EIN GEIST!"

Vor Schreck warf Satoshi sich mit einem überstürzten Sprung auf Ryos Bett. Im selben Moment war das Geräusch von zerdeppertem Holz im Raum zu hören. Das klapprige Bett zerfiel in seine Einzelteile und die beiden Männer landeten mitsamt der Matratze auf dem Boden.

"Das... ist... doch... alles... nicht... mehr... wahr...", murmelte Ryo, der sich nun ebenfalls vor Aufregung schwertat, ruhig zu atmen – wenn auch aus einem anderen Grund.

"ES WAR EIN GEIST! HAST DU IHN ETWA AUCH GESEHEN?!"

Satoshi packte den Drummer am Kragen und zog ihn verzweifelt zu sich heran. Dabei drückte er das Gesicht des Kleineren fest gegen seine Brust, schlang beide Arme innig um ihn und wimmerte dabei immer wieder etwas von einem 'Geist' und 'Mord und Todschlag'.

"Nein... ABER DU WIRST GLEICH EIN GEIST SEIN!" Ryo griff nach dem Erstbesten, das er erreichen konnte und verpasste Satoshi mit seinem Kissen einen kräftigen Schlag gegen den Kopf.

Dieser schien davon jedoch völlig unbeeindruckt und murmelte weiterhin wirres Zeug. "Aber, aber... wenn ich es dir doch sage. Ich habe mir das nicht eingebildet, Ryo-san!"

Der Langhaarige stand schnaufend auf, ignorierte den Sänger dabei völlig und krabbelte in dessen Bett.

"Hey, was tust du da in meinem Bettchen?", fragte Satoshi plötzlich, als er sah, wie der Drummer es sich gerade in SEINEM Bett gemütlich machte.

"Na, darin schlafen!? Was soll die bescheuerte Frage. Meines hast du ja schließlich gerade zu Sperrholz verarbeitet. Also, gute Nacht."

"Und wo soll ich jetzt pennen?", fragte Satoshi und kratzte sich am Hinterkopf, während sein Blick unsicher durch das Zimmer schweifte. Ein Sofa oder etwas in der Art gab es hier nicht. Nur Geister!

Sicher könnte er sich einfach das Bett mit Ryo teilen, allerdings war das gerade noch groß genug für eine Person und zu zweit wäre es verdammt eng. Außerdem benötigte Satoshi viel Platz beim Schlafen, denn sein täglicher Schönheitsschlaf sollte schließlich stets zufriedenstellend sein.

Rein theoretisch könnte er sich auch mit der Matratze des zusammengekrachten Bettes auf den Boden legen, aber irgendwie war ihm gerade gar nicht wohl bei dem Gedanken, ganz allein zu schlafen. Was für eine verzwickte Angelegenheit.

"Am Boden? Bei deinen geliebten Geistern? MIR EGAL, WO DU SCHLÄFST! Nur halt endlich die Backen still, ich will pennen!"

Total entnervt drückte Ryo sein Gesicht in Satoshis Kissen. Verdammt, es roch ein wenig nach dessen Haaren. Der Sänger kaufte immer die besten Haarshampoos, die so toll rochen – wie Ryo fand. Er hingegen legte nie großen Wert auf diesen ganzen Schnickschnack. Hauptsache geduscht, rasiert und Zähne geputzt – wozu auch mehr?

Der Drummer war so in Gedanken und von dem Duft des Kissens abgelenkt und wäre da noch dieses wohltuende Gefühl dabei in seiner Brust, dass er in diesem Moment gar nicht bemerkt hatte, wie Satoshi plötzlich kerzengerade neben ihm im Bett saß.

"Pah! Das ist immer noch meines! Du kannst selbst auf dem Boden schlafen!", quengelte Satoshi lautstark und blickte auf den Liegenden hinab.

Doch Ryo ließ sich davon nicht im Geringsten beeindrucken. Der Drummer wollte sich bloß nicht so schnell geschlagen geben; andernfalls könnte Satoshi noch auf die Idee kommen, dass er eigentlich ganz gerne einen Schlafplatz mit ihm teilen wollte.

Der Sänger blies gespielt die Backen auf, schnappte kurzerhand nach Ryos Arm und versuchte, ihn mit viel Anstrengung aus dem Bett zu ziehen, doch er unterschätzte mal wieder Ryos Stärke. Verdammter Schlagzeuger aber auch und warum hatte dieser in der letzten Zeit obendrein zusätzlich so viel an Muskelkraft zugelegt?

"RAUS!", plärrte Satoshi ihm entgegen, doch Ryo blieb unbeeindruckt und erwiderte nur: "Das ist jetzt mein Bett, zisch ab." Er wusste ohnehin, dass der Sänger ihm nicht ansatzweise gewachsen war, doch Nervensäge-Satoshi wollte einfach keine Ruhe geben. Also musste er härtere Maßnahmen ergreifen.

"Da schau! Der Geist", rief Ryo plötzlich und deutete mit dem ausgestreckten Zeigefinger hinter Satoshi in eine unbestimmte Richtung. Nichts ahnend, dass er damit das nächste Unheil heraufbeschwor.

"WAS! WO?" Satoshi schaute panisch hinter sich und versuchte, in der Dunkelheit etwas zu erkennen, doch diese merkwürdige Lichterscheinung von vorhin konnte er beim besten Willen nicht mehr ausfindig machen.

Diese Unachtsamkeit nutzte der Kleinere schamlos aus. Mit einem kräftigen Stoß schubste er Satoshi vom Bett. Im nächsten Moment hörte man jedoch kein Gemecker von Satoshi, wie eigentlich erwartet, sondern nur einen schmerzerfüllten Schrei in der Dunkelheit, denn er war beim Fall mit dem Gesicht direkt voraus gegen den Nachtschrank geknallt.

"Ahhh... meine Wange... auaaaa... was sollte das?!" Satoshi setzte sich wimmernd auf das Bett zurück und hielt sich die Hand an seine blutende Unterlippe, die nun brannte und schmerzte.

Ryo blickte ihn erschrocken und entschuldigend zugleich an. "Ich... das war nicht meine Absicht... tut mir leid..." Er wollte ihn wirklich nicht ernsthaft verletzen. Er hatte nur Spaß machen wollen und Satoshi hatte ihn schließlich mit seinen Spukgeschichten gereizt. Aber nun...

"Wusste gar nicht, dass du so bösartig sein kannst!" Das sah der Sänger natürlich ganz anders. Er war immer noch fest davon überzeugt, dass er in der Dunkelheit etwas Gruseliges gesehen hatte und verstand nicht, warum sich Ryo darüber lustig machen musste.

"Es war wirklich keine Absicht...", sagte Ryo erneut entschuldigend, blickte schuldbewusst in Satoshis Gesicht und hob seine Hand. "Lass mal sehen..." Behutsam versuchte er, Satoshis Hand wegzuschieben, um dessen geschundene Lippe im spärlich einfallenden Licht zu begutachten. Doch der Sänger schlug ihm sofort beleidigt die Hand weg und drehte sich trotzig um.

"Lass das! Gehen wir einfach schlafen. Wird wohl das Beste sein!", grummelte er eingeschnappt und wandte Ryo den Rücken zu.

"Pfff. Jetzt spiel mal nicht beleidigte Leberwurst! Du hast schließlich damit angefangen Mister 'Ich-sehe-tote-Menschen'. Kein Grund, hier jetzt die Dramaqueen raushängen zu lassen!"

Ryo legte sich ebenfalls hin und verschränkte die Arme vor der Brust, während er den sich neben ihm Liegenden genau ansah. Warum musste es mit Satoshi oft gleich so eskalieren? Bei Nii oder ShuU kam das nie in dieser Art vor.

"Ich habe aber was gesehen!", kam es erneut trotzig vom Sänger und Ryo musste daraufhin ein wenig schmunzeln.

"Ja, ich glaube dir das doch! Und wundert es dich? In dieser Bruchbude muss es ja spuken! Hast du übrigens wirklich toll ausgesucht!" Den Seitenhieb konnte er sich gerade nicht verkneifen, wenn sie ohnehin schon so schön am Streiten waren.

"UND WIE! Besser könnte es gar nicht sein! Und ich hoffe, der Geist kommt zurück und frisst dich auf!" Offensichtlich war lange noch nicht Schicht im Schacht und wenn Satoshi einmal loslegte, dann würde er sich nicht so schnell beruhigen lassen können.

"Der wird eher dich fressen! An dir hat er nämlich ordentlich was zu kauen!"

Huch, war das jetzt etwa ein Schlag zu tief unter die Gürtellinie? Unsinn, sie hatten doch gerade ein halbernstes Streitgespräch und als ob Satoshi das gleich persönlich nehmen würde.

Dieser blies wieder seine Backen etwas auf und drehte sich dann zu Ryo um.

"Ich bin also fett?! Das war jetzt aber echt fies, Ryo-san!"

"Ja! Ich bin fies und du bist dumm. Einigen wir uns darauf und können jetzt endlich schlafen?"

"NEIN!"

"Dann führ halt Selbstgespräche!"

"FEIN!"

Gut so. Thema beendet.

Allmählich bekam der Drummer Kopfschmerzen von diesen unnötigen Wortgefechten. Und das um diese Uhrzeit. Und alles nur, weil Satoshi sich wieder einmal einen Scherz zu viel erlaubt hatte.

Murrend legte Ryo sich auf die Seite, drückte erneut sein Gesicht in das Kissen, welches er sich wohl oder übel nun mit dem Sänger teilte und versuchte, das nervige Etwas neben sich zu ignorieren und einfach wieder einzuschlafen. Doch als Satoshi endlich schwieg, machte er nun auf andere Weise auf sich aufmerksam.

Satoshi stupste mit seinen Fingern immer wieder gegen den Rücken des Drummers und umkreiste sorgfältig die Stellen an seinen Schulterblättern, ehe er auch hier gegenstieß und dann wieder langsam die Konturen nachfuhr.

"Lass... das...", nuschelte der Drummer genervt. Gleich würde er ohnehin Ruhe geben, wenn er nicht darauf eingehen würde. So war es immer mit Satoshi. Ähnlich wie bei einem kleinen Kind.

Doch nach weiteren zehn Minuten störte es Ryo kaum noch und das Stupsen des Sängers ging langsam immer mehr in ein sanftes Streicheln über.

Federleicht fuhr Satoshi mit den Fingerspitzen über Ryos Shirt, zog kleine Kreise und Linien. Irgendwie fühlte es sich langsam richtig angenehm an, bis Satoshi auch seine flache Hand an seinen Rücken legte und ihn liebevoll zu kraulen begann.

So vergingen die Minuten und Ryo driftete langsam in einen tiefen Schlaf. Auch den Sänger überkam letztendlich die Müdigkeit und als er merkte, wie sehr ihm die Augen zufielen und er kurz vor dem Einschlafen war, rutschte er ein wenig näher an den schon friedlich schlafenden Schlagzeuger heran.

Es passte nur noch sein Arm zwischen ihn und Ryos Rücken und als er die Nähe des Jüngeren so nah spürte, fühlte er sich sogleich irgendwie wohler und sicherer. Immerhin war da bestimmt noch der Geist, der sie beobachtete und da musste Satoshi doch vorsichtig sein.

"Hmm... gute Nacht... Ryo-san...." Ein schwaches Flüstern in der Dunkelheit, die Lippen dabei an Ryos Ohr gedrückt, ehe Satoshi es dem Drummer gleichtat und er endlich ebenfalls einschlafen konnte.

Hoffentlich würde der zweite Ferientag weniger anstrengend verlaufen als dieser holprige Start.

****