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Angewidert zupfte Till an seinem durchnässten Hemd, das wie eine zweite Haut auf seiner Brust klebte. Er hasste dieses Gefühl! Mit hektischen Bewegungen knöpfte er das Hemd auf und schob es achtlos von seinen Schultern, sodass es mit einem satten Platsch auf den Fliesen aufschlug. In Rekordzeit stieg er aus den ebenfalls triefenden Jeans, warf die tropfenden Strümpfe auf den Kleiderhaufen und zog die Unterhose aus. Erleichtert schloss er die Augen und seufzte einmal tief, die Hände in die Hüften gestemmt und nackt wie Gott ihn schuf.
Was für ein Tag.
Er betrat eine der halb zugemauerten Duschen und drehte den Hahn auf. Sofort rieselte lauwarmes Wasser auf ihn herab. Da er ein bekennender Heißduscher war, korrigierte er die Wassertemperatur nach oben, wartete einen Augenblick und stellte sich dann wieder unter den Strahl. Das heiße Wasser fühlte sich himmlisch an. Zusammen mit dem Dreck der Spree wurde auch die Anspannung von seinem Körper gespült. Wieder entwich ihm ein Seufzer, während er mit geschlossenen Augen und gesenktem Kopf jeden Tropfen der Dusche genoss.
Er war unfreiwillig in der Spree gelandet, um seinen Kollegen zu retten. Er war nun mal ein Held, ein Retter in der Not!
Na gut, er war Felix zur Hilfe geeilt, nachdem dieser wagemutig einer jungen Frau hinterher gesprungen war, die sich mit einem großen Stein um den Hals von einer der vielen Berliner Brücken gestürzt hatte, weil sie mit der Last, eine Mörderin zu sein, nicht mehr hatte leben können. Felix hatte sie vor dem Ertrinken bewahren wollen, hatte dann aber im Wasser feststellen müssen, dass er es alleine nicht schaffte. Also war auch Till in die Spree gestürzt unter den Augen zahlreicher Schaulustiger, die natürlich allesamt ihre verdammten Smartphones gezückt und es gefilmt hatten. Zusammen mit Felix hatte er die Frau an der Wasseroberfläche halten und sie ans rettende Ufer ziehen können, wo ein paar Männer sie herausgezogen hatten.
Manche angelten Fische in der Spree, sie hingegen angelten eine Mörderin. Auch nicht schlecht.
Till öffnete kurz die Augen, als er die Tür des Duschraumes quietschen hörte. Die Schritte des Mannes hinter ihm schmatzten, weil zu viel Wasser in den Schuhen stand. Also war es Felix.
„Oh! Ich … ich dachte … du …“, stammelte Felix überrascht, als er auf Tills nackte Rückseite starrte. „Ich dachte, du wärest schon fertig, entschuldige.“
Till winkte bloß abwehrend ohne sich umzudrehen und presste den Seifenspender zusammen, der an der Duschwand befestigt war. Das billige All-in-one-Duschgel rann in seine hohle Hand und er begann damit, es auf seinem Körper zu verteilen. Er wollte den Gestank der widerlich dreckigen Spree loswerden. Und er wollte möglichst schnell aus diesem Duschraum, um der unangenehmen Situation mit Felix zu entfliehen.
Auch wenn sie schon seit einigen Jahren Partner waren - nackt hatten sie sich noch nicht gesehen. Und dabei konnte es auch gerne bleiben, wenn man Till fragte. Felix schien das genauso zu sehen, denn er zog sich in Windeseile seine ebenfalls pitschnasse Kleidung aus und verschwand unter einer der Duschen. Nur wenige Sekunden später rauschte auch dort das Wasser. Und während Till sich den Nacken einseifte, erstarrte er mitten in der Bewegung.
Er hatte keine frische Kleidung aus seinem Spind geholt. Er hatte gerade noch an ein Handtuch gedacht, aber Wechselkleidung lag zusammengeknüllt in seinem Spind.
Verdammt! Er wollte nicht nur mit einem Handtuch um die Hüften, das gerade mal bis zu seinen Knien reichte, quer durch das Kommissariat laufen. Nachdenklich spülte er die Seife ab und drehte das Wasser aus. Er drehte sich um und griff nach dem großen Handtuch am Haken vor der Dusche. Rasch trocknete er sich ab, rubbelte sich kurz durch das graue Haar und legte sich das Tuch um. Innerlich fluchend ging er zu den Holzbänken in der Mitte des Raumes, wo seine nasse Kleidung auf dem Boden lag, bückte sich und wrang das Hemd aus. Braunes Dreckwasser ergoss sich über den Fliesen. Als er den Blick wieder hob, setzte sein Gehirn aus.
Felix stand mit dem Rücken zu ihm in einer der Nischen. Mit kreisenden Bewegungen verteilte er das Shampoo in seinem dunklen Haar und schien ebenfalls sehr darauf bedacht zu sein, den strengen Geruch der Spree wegschrubben zu wollen. Stumm beobachtete Till, wie sich unter seiner nass glänzenden Haut die Muskeln bewegten. Er war nicht unbedingt sehr sportlich gebaut mit Muskelpaketen und einem Hintern zum Kokosnüsseknacken, aber zu einer Couch-Potato wollte Till ihn auch nicht zählen. Heute hatte Felix schließlich mal wieder bewiesen, dass man ihn nicht unterschätzen durfte. Till hätte es alleine auch nicht geschafft, die Frau zu retten, dafür war der Stein um ihren Hals zu schwer gewesen.
Irritiert blinzelte Till, als er sich bewusst wurde, dass er Felix sekundenlang angeglotzt hatte. Rasch setzte er sich hin, um etwas Zeit zu gewinnen, doch er ertappte sich schnell dabei, wie er seinen Partner wieder beim Duschen beobachtete. Der war glücklicherweise zu sehr damit beschäftigt, den Dreck in den Abfluss zu spülen. Wer weiß, wie er sonst reagiert hätte. Damit der Strahl der Dusche ihn am Rücken besser erreichte, drehte er sich um, würdigte Till aber keines Blickes. Noch schien er ihn nicht bemerkt zu haben, den Mann, der ihn unverhohlen anstarrte. Stattdessen legte er den Kopf ein wenig in den Nacken und fuhr sich mit beiden Händen mehrmals durch das Haar, um das Shampoo auszuspülen. Schwer schluckend beobachtete Till, wie der weiße Schaum über die helle Haut lief, wie sich ein einzelner Klecks verirrte und eine Spur über die entblößte Kehle zog, sich einen Weg über die Brust bahnte und schließlich doch vom Wasserstrahl gestoppt wurde, indem Felix einen Schritt nach hinten trat. Er kehrte Till wieder den Rücken zu und fuhr mit dem Einseifen seines Körpers fort, wobei sich die Schulterblätter kreisend bewegten.
Bei diesem Anblick stieg Till ungewollt die Hitze in den Kopf. Rasch schaute er auf seine nackten Zehen und überlegte, wie er aus diesem Schlamassel herauskommen könnte. Nur mit einem Handtuch um die Hüften wollte er einfach nicht durch das Kommissariat rennen. Das wäre entwürdigend. Also konnte er nur Felix bitten, ihm seine Sachen zu bringen ...
Also würde er hier warten müssen, bis Felix fertig geduscht hatte. Er würde hier sitzen müssen und verzweifelt versuchen, die Nacktheit seines Kollegen zu ignorieren.
Aus dem Augenwinkel beobachtete er den Mann dabei, wie er sich einen hartnäckigen Fleck vom Unterarm rubbelte. Es war ungewohnt, Felix so zu sehen. Normalerweise waren seine Haare ordentlich gekämmt, fast schon fluffig, doch jetzt hingen sie in dicken Strähnen kreuz und quer auf seinem Kopf. Auch war es ein seltsamer Anblick, Felix ohne seine typischen Rollkragenpullover zu sehen, die er fast immer trug, sobald es draußen kühl wurde. Und dann noch ohne Hose. Ungewollt wurde Tills Blick immer wieder von den Regionen unterhalb der Gürtellinie angezogen. Er musste zugeben, dass er Felix unterschätzt hatte. Er hatte anhand seiner doch eher geringen Körpergröße auf ein ebenso kleines Repertoire im Südpol geschlossen.
Aber scheinbar traf der Spruch zu: Wie die Nase eines Mannes, so auch sein …
Angestrengt riss Till den Blick von dem Po und ließ ihn über die sich bewegenden Schultern gleiten. Er konnte nicht verhindern, dass seine Augen immer wieder nach unten wanderten. Er bekam einen trockenen Mund und fühlte sich wie betäubt. Zusätzlich begann es zwischen seinen Beinen zu kribbeln, als er sah, wie Felix sich nach unten beugte und die Beine einseifte, während der Dampf von warmem Wasser die Luft füllte und die Umgebung in einem feinen Nebel verhüllte. Verlegen drehte Till ihm den Rücken zu und schloss die Augen, atmete tief durch, um sich wieder zu erden. Er konnte auf keinen Fall zulassen, dass sich das Blut im Schritt sammelte. Das würde Felix ihm niemals verzeihen, wenn er ihn mit einer Erektion auf der Bank vorfinden würde.
„Verdammte Scheiße!", presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als sein Schwanz sich trotz aller Bemühungen langsam aufrichtete und angenehm am Stoff rieb. Hektisch atmete er nochmal tief durch und überlegte fieberhaft, was er tun sollte. Verzweifelt dachte er den Aktenstapel auf seinem Schreibtisch, den er eigentlich schon vor zwei Tagen hätte abarbeiten müssen und weshalb Chef Wiegand ihm bereits im Nacken saß. Stress, Stress war jetzt gut! Doch immer wieder blitzte vor seinen geschlossenen Augen ein unerwünschtes Bild auf: Felix nackt unter der Dusche, sich verführerisch einseifend und die Wärme des Wassers genießend.
„Verfluchte Scheiße!", ließ ein erschrockener Schrei ihn zusammenfahren. Er drehte sich im Sitzen um und sah Felix, der das Wasser abgestellt und nach dem Handtuch gegriffen hatte. Seine Augen waren geweitet, er schnappte nach Luft. „Mann, ich dachte, du bist schon längst weg! Ich kriege noch einen Herzinfarkt wegen dir!"
„Sorry", nuschelte Till und spürte die Röte auf seinen Wangen. Hoffentlich würde Felix nicht näher kommen. Er würde sonst unweigerlich seine Erektion unter dem weißen Stoff des Handtuchs sehen. Die Erektion, die zu pulsieren begann, nachdem er nochmal einen Blick auf den nackten Mann geworfen hatte. Was zur Hölle war nur los mit ihm? „Wollte dich nicht erschrecken."
Felix schnaubte bloß und trocknete sich mit dem Handtuch ab. Für Tills Geschmack ließ er sich viel zu viel Zeit dafür, und anstatt es sich um die Hüften zu knoten, rubbelte er sich erst mal in aller Seelenruhe die nassen Haare ab, sodass sie zerzaust in alle Richtungen abstanden. Angespannt drehte Till ihm wieder den Rücken zu und überlegte, ob er sich vielleicht nochmal unter die Dusche verziehen sollte. Dort würde Felix nicht sehen, dass er einen Ständer hatte, den Till sich einfach nicht erklären konnte. Wieso löste Felix so etwas bei ihm aus?
„Bestimmt kriegen wir eine schöne Erkältung von der heutigen Aktion", meinte Felix seufzend, und beinahe hätte Till aufgelacht. Eine blöde Erkältung war gerade sein kleinstes Problem. „Alles klar? Bist du sauer?"
Überrascht runzelte Till die Stirn und schaute wieder über die Schulter. Glücklicherweise hatte Felix sich endlich das Handtuch umgelegt, doch der Anblick seiner wilden Frisur und der ehrlich besorgt dreinblickenden Augen löste ein unerträgliches Pulsieren in seinem Schritt aus. „Warum sollte ich sauer sein?"
„Du siehst irgendwie angestrengt aus", meinte Felix achselzuckend. „Oder hast du dich beim Sprung verletzt?"
„Alles gut", murmelte Till und hoffte, dass das Thema damit beendet war und Felix sich endlich anziehen und verschwinden würde. Doch da hatte er die Rechnung ohne seinen Kollegen gemacht, der mit dieser Antwort nicht zufrieden war.
„Willst du darüber reden?", fragte er vorsichtig und kam auf ihn zu.
„Nee, lass mal", sagte Till hastig und wollte die Beine überschlagen, doch sein Schwanz protestierte schmerzhaft. Bevor er sich einen Fluchtplan überlegen konnte, war Felix um die Sitzbänke herum gekommen und musterte ihn zweifelnd.
„Ehrlich, Till, du weißt doch, dass du mit mir reden kannst, wenn ..." Er brach ab und starrte ihn an. Sein Blick hatte sich an der nicht zu übersehenden Beule unter dem Handtuch verfangen und unzählige verschiedene Emotionen huschten über sein Gesicht. „Oh! Verdammt! Äh, sorry, ich meine ... also ... tut mir Leid, ich ... du ..."
Tills Gesicht war feuerrot vor Scham, doch auch Felix war errötet. Er war wie paralysiert und konnte Till nur anstarren, der sich ein Loch im Boden herbeisehnte, in dem er wortlos für immer verschwinden konnte. Immerhin reichte dieser Schock aus, um seinen harten Schwanz langsam in sich zusammenfallen zu lassen. Am liebsten hätte Till seinen Kollegen nun angefaucht, dass es nichts zu glotzen gab, aber er brachte keinen Ton heraus. Verlegen wich er den dunklen Augen aus und verschränkte die Arme vor dem Unterleib, um sich zu verstecken.
„Hab meine Klamotten im Spind vergessen", nuschelte Till krächzend mit gesenktem Kopf.
„Deine ... Klamotten?" Felix wirkte so, als hätte Till ihn aus den Gedanken gerissen. Er blinzelte Till an. „Du brauchst ... also ... dir fehlen Klamotten?"
„Mhm."
„Wo sind die?"
„In meinem Spind."
Felix nickte leicht, machte aber keine Anstalten, sich endlich anzuziehen und Till sich selbst zu überlassen. Stattdessen schaute er ihn mit einem nicht zu deutenden Blick an, kaute auf der Unterlippe und hatte rote Flecken auf den Wangen. Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, schloss ihn aber wieder und senkte kurz den Blick. Schließlich schaute er Till wieder an und deutete auf seine Schläfe.
„Du ... du bist noch dreckig", sagte er leise.
Überrascht hob Till die Hand und fuhr sich über die angedeutete Stelle. „Hier?"
„Nein, nicht ganz." Felix trat näher und legte seine Fingerspitzen auf den Haaransatz knapp über Tills Ohr. Bei der Berührung schienen unzählige elektrische Impulse durch Tills Körper zu jagen und er schnappte ungewollt nach Luft. Sein Herzschlag galoppierte davon, als Felix die Hand nicht direkt wieder zurückzog sondern mit dem Daumen vorsichtig über die dreckige Stelle strich. Das Kribbeln im Schritt setzte wieder ein und hoffnungsvoll richtete sich sein Schwanz auf.
„Ich glaube, du musst nochmal unter die Dusche", meinte Felix, nachdem er seinen Blick kurz in Tills Schritt hatte gleiten lassen.
„Vermutlich", nickte Till mit rauer Stimme, war dankbar für die Fluchtmöglichkeit. Er schob sich an Felix vorbei, ließ das Handtuch achtlos zu Boden fallen und hechtete unter die nächstbeste Dusche. Mit einem Ruck drehte er den Wasserhahn auf und verkrampfte, als eiskaltes Wasser über seinen Körper strömte. Doch es würde ihm helfen. Er würde die Dusche erst verlassen, wenn Felix endlich verschwunden war. Dann würde er kündigen und in eine andere Stadt ziehen. Nie wieder würde er Felix unter die Augen treten können. So verletzlich hatte Felix ihn noch nie gesehen.
Er zuckte zusammen, als das Wasser plötzlich wärmer wurde und ihn etwas berührte. Er riss die Augen auf und drehte sich um.
Felix stand vor ihm, nackt. Er stand mit ihm unter der Dusche und pumpte etwas Duschgel in seine hohle Hand, während Till ihn einfach nur anstarrte.
„Darf ... äh ... darf ich?", fragte er verlegen und seine Stimme zitterte vor Aufregung. Er nickte zu der verdreckten Stelle über Tills Ohr, konnte Tills Blick nicht standhalten und wich ihm aus. Er wirkte in diesem Moment unheimlich klein. Mechanisch nickte Till, woraufhin Felix zögernd die Hand hob und das Duschgel langsam in den grauen Haaren verteilte. Bei der Berührung seufzte Till ungewollt und sein harter Schwanz zuckte sehnsüchtig. Bei dem Laut wollte Felix sich zurückziehen, hatte knallrote Ohren und sah so aus, als hätte er den größten Fehler seines Lebens begangen. Rasch packte Till sein Handgelenk und hielt ihn fest. Sofort hob Felix den Kopf und blickte ihn erschrocken an.
Jetzt oder nie.
„Ich glaube, das ist noch nicht richtig sauber", murmelte er und zog ihn näher zu sich heran. Gehorsam folgte Felix dem Druck, bis sein Bauch gegen Tills Erektion stieß. „Ich könnte ... ich könnte etwas Hilfe gebrauchen, glaube ich."
Felix schluckte schwer. „Sicher?"
Am liebsten hätte Till laut gelacht, doch die Aufregung schnürte ihm die Kehle zu. Konnte Felix irgendwelche Zweifel bei ihm entdecken? Sein Körper sprach schließlich eine eindeutige Sprache! Vorsichtig ließ Till seine freie Hand über Felix' Rücken bis zu seinem Po gleiten und drückte ihn noch fester an sich, während das warme Wasser rhythmisch auf ihre Haut prasselte. Mutig hielt er dem Blick ein paar Sekunden statt, bevor seine Augen zu Felix' leicht geöffneten Lippen zuckten, nur für den Bruchteil einer Sekunde. Schließlich beugte er sich nach unten, ihre Gesichter näherten sich einander und er konnte Felix' stoßweisen Atem auf seinen eigenen Lippen spüren.
Bei der zögerlichen Berührung ihrer Lippen keuchte Till auf und krallte seine Finger angespannt in Felix' Haut, während das Adrenalin durch seine Blutbahn schoss. Die beste Droge der Welt. Er schloss die Augen und seine Sinne konzentrierten sich nur noch darauf, wie weich Felix' Lippen waren, so unerwartet weich und feucht von der Dusche. Erleichterung machte sich in ihm breit, als Felix ihm das Gesicht entgegen streckte und vorsichtig den Kuss erwiderte, zurückhaltend wie ein unerfahrener Teenager. Langsam ließ Till das umklammerte Handgelenk los. Sogleich glitten Felix' Finger in sein Haar, streichelten über die Kopfhaut und legten sich sanft in Tills Nacken. Die Wärme des Wassers verlieh der Situation eine unglaubliche Intimität. Ermutigt vertiefte Till den Kuss.
„Till." Noch nie zuvor hatte Felix seinen Namen auf diese Art und Weise ausgesprochen: so zärtlich und gleichzeitig verwirrt. So bejahend und doch schüchtern. Seine Lippen pressten sich gegen Tills und öffneten sich schließlich mit einem leisen Seufzen, als Till sofort mit der Zunge darüber strich. Das Shampoo lief aus Tills Haaren über seinen Hals und die Brust, wo Felix mit einer Hand begann, es sanft auf der Haut zu verteilen. Diese Berührung löste einen regelrechten Sturm in Tills Magen aus, gierig umspielte er mit seiner Zunge die seines Partners und wusste nicht, wohin er mit seinen Händen sollte, unruhig wanderten sie über Felix' nassen Körper.
„Was machen wir hier?", keuchte er gegen Felix' Lippen und japste, als dieser mit den Fingerspitzen über seine Brustwarzen strich. „Ist das hier richtig?"
„Was ist schon richtig?", erwiderte Felix atemlos. „Aber ... nicht jetzt, klar?"
Till grunzte zustimmend und küsste leidenschaftlich diese weichen Lippen, die von seinen Bartstoppeln mit Sicherheit später wund sein würden. Später würde er es bereuen, das wusste er, aber in diesem Augenblick wollte er nur Felix schmecken und seinen Körper spüren. Energisch presste er den Mann an sich, spürte an seinem Bein, dass auch er inzwischen hart war, und lachte ungewollt auf. Das Lachen ging in ein ersticktes Stöhnen über, als Felix sich an seinem Oberschenkel rieb und ihn in einen immer tieferen, feuchten Kuss zog. Hinter den geschlossenen Lidern sah Till Sterne, sein eigener Herzschlag dröhnte in den Ohren.
Doch plötzlich zuckte Felix zurück. Die Stellen, an denen sie sich berührt hatten, fühlten sich auf einmal unangenehm kalt an.
Überrascht schlug Till die Augen auf. „Was ist?"
Felix' Lippen waren gerötet und geschwollen, er hatte einen glasigen Blick und eine nicht zu übersehende Erektion. Doch er nickte an Till vorbei. „Es könnte jederzeit jemand hereinkommen."
„Scheiß drauf", knurrte Till und zwang ihm einen weiteren Kuss auf, aus dem Felix sich aber geschickt heraus wand.
„Till!"
„Was?!"
Felix schüttelte den Kopf. „Das geht nicht."
Till blinzelte ungläubig. „Was? Aber ..."
Felix schob sich an ihm vorbei und trat aus der Duschkabine. Fassungslos schaute Till ihm hinterher, sein Herz rutschte ihm in die ausgezogene Hose. Allein bei dem Anblick von Felix' nackter Rückseite wippte sein Schwanz um Aufmerksamkeit heischend. Felix nahm aber nicht das Handtuch, um sich abzutrocknen. Er ging auch nicht zu seinen Klamotten. Er ging zur Tür und drehte entschlossen den Schlüssel, sodass mit einem Klacken das Schloss einrastete. Dann drehte er sich wieder um, ein kleines Lächeln in den Mundwinkeln und mit einem Blick, bei dem Till die lüsterne Hitze ins Gesicht stieg.
„Jetzt geht's", sagte er nüchtern.
Till grinste.
