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Rhabarberdieb

Summary:

Gally ist Leadsänger der beliebten Band Berlin Mitte und jeder kennt und liebt ihn. Nur Thomas hat keine Ahnung wer er ist.
Die beiden sehr unterschiedlichen Männer treffen bei einem Werbedreh aufeinander und während Gally sich nur nach etwas Ruhe und Privatsphäre sehnt, hat Thomas ein anderes Problem.

Notes:

Basierend auf einem meiner all time fav Teeniefilme "Groupies bleiben nicht zum Frühstück"! Gally ist super erfolgreicher Musiker einer Band und Thomas war ein Jahr in der Einöde auf Schüleraustausch und da gabs weder Internet noch sonst was, er hat also keine Ahnung wer Gally ist - was Gally, der nur noch crazy Fans und keine Normalität mehr gewohnt ist, unglaublich schön findet.
Der Plot macht wahrscheinlich nicht so viel Sinn, wenn man den Film nicht kennt, aber ich hab versucht, alles halbwegs zu erklären, so dass man trotzdem mitkommt :)

Geschrieben für das Maze Runner Languages and Cultures Bingo, das Kästchen ist "Write in your own language." Ich hab damit eine Bingo Reihe fertig 🥰😊

Ich hab die Fic auch gleich übersetzt, vielleicht interessiert das ja jemanden 💖

Viel Spaß beim Lesen!

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Der Arbeitstag hat für Gally noch nicht einmal richtig begonnen und er ist bereits müde.

 

„Banana Mobile,“ haucht die junge Schauspielerin ihm zu und präsentiert das überdimensionale Bananentelefon.

„Everything else is just monkey business,“ fügt die zweite Schauspielerin hinzu. Sie hat einen wundervollen Augenaufschlag und er lächelt ihr freundlich zu. Erfreut lächelt sie zurück und eine hübsche Röte steigt ihr ins Gesicht. Gally hofft, sie wird nicht allzu enttäuscht, wenn der nette Moment zwischen ihnen es nicht auf eine Leinwand schaffen wird.

„Sorry, aber so geht das nicht.“ Wie auf Bestellung fährt Vince dazwischen. „Keine Girls mit Gally, ja?“

Und damit ist die Sache gegessen. Der Regisseur des Werbespots schaut Vince verwirrt an, als dieser auf die Klausel in ihrem Vertrag hinweist, doch er fängt sich schnell wieder. Ein Werbedeal mit Celebrities ihrer Größe ist wichtiger, als die Schauspielagentur der beiden Damen als Geschäftspartner zu behalten.

Die Schauspielerinnen werden heimgeschickt und Gally hasst, wie beiden das gebrochene Herz wie ins Gesicht geschrieben steht. Es ist kein neuer Anblick für Gally.

 

Was er privat macht, solange er diskret vorgeht, ist Vince herzlich egal, aber für das Image der Band und in der Öffentlichkeit ist Gally single.

Wenn man allerdings bedenkt, dass Berlin Mitte keinen Tag ohne ihren Manager Vince verbringt und ihr gesamter Alltag auf die Stunde genau durchgetaktet ist wenn sie auf Tournee sind, ist das Konzept von Privatleben lachhaft und quasi nonexistent. Es gibt keine Gelegenheit jemanden kennenzulernen.

Gally und die anderen Mitglieder von Berlin Mitte - Teresa, Fry und Alby – sind alle offiziell ungebunden, auch wenn es im Geheimen sowohl in Teresas als auch in Frys Leben jemanden Besonderen gibt.

Das Image das Berlin Mitte, erfolgreichste Popband des Jahres, nach außen trägt, sind vier äußerst attraktive, talentierte Musiker Anfang 20 – perfekte Menschen, auf welche die Fans ihre Wunschträume projizieren können: Schön, charmant, erfolgreich, bescheiden, lustig und vor allem eins – sie sind alle absolut hetero und noch zu haben. Keiner von ihnen kann sich vor Fanpost voller Heiratsanträge retten, vor allem nicht Gally, dem als charismatischer Leadsänger die allermeiste Aufmerksamkeit zu Teil wird. Er ist „der Schwarm aller Mädchen und der Gott des Pop.“

Hinter den Kulissen sieht es natürlich anders aus. Keiner von ihnen hat ein perfektes Leben, alle leiden unter dem immensen Stress und Druck des Pop-Ikonen Daseins – keine Privatsphäre, keine Zeit für Freizeit oder Zeit mit Freunden oder der Familie. Also sind Gally, Teresa, Fry und Alby füreinander eine Art Ersatzfamilie geworden. Ach und hetero ist auch keiner von ihnen. Gally und Teresa sind bi, Alby ist schwul und wie genau Fry orientiert ist, weiß niemand so genau, er sagt pan und demi, aber so wichtig ist es auch nicht. Seit er 15 ist, führt er eine Fernbeziehung mit einem quirligen Briten, den er online über ein Great British Bake Off Forum kennengelernt hat. Jack und Fry sehen sich nur alle heiligen Zeiten, aber sie sind immer noch über beide Ohren verliebt und geben Gally Hoffnung, dass es für ihn und Alby da draußen auch noch irgendwo jemanden geben muss.

Teresa ist quasi verlobt, aber es ist so streng geheim, dass nicht einmal Vince davon weiß. Brenda kommt aus Madrid und sie haben sich in der Uni kennengelernt, als Brenda mit Erasmus für ein Jahr in Berlin Komposition studiert und sie gemeinsam ein Seminar für Gesang besucht haben. Genauso wie Jack und Fry sehen sie sich nur selten.

Wird Gally in Interviews gefragt, ob er eine Freundin hat, muss er laut dem Vertrag mit ihrer Plattenfirma folgendermaßen antworten: „Nein, derzeit leider nicht. Aber bis ich die Richtige gefunden habe, konzentriere ich mich voll auf die Musik.“ Oder etwas Dergleichen, Hauptsache er macht es mit Überzeugung und dem strahlendsten Megawattlächeln überhaupt. Zwei Jahre muss er das noch mitmachen, dann ist er auch international volljährig und die Plattenfirma hat ihm nichts mehr zu verbieten.

Zu dem Bild des glücklichen und sehr begehrenswerten Junggesellen gehört natürlich auch, dass nicht einmal der Hauch eines Gerüchts aufkommen darf, dass Gally vergeben ist. Datingsapps darf er sowieso nicht verwenden und Onenightstands sind auch vom Tisch. Vince traut niemandem, Verschwiegenheits-Papiere hin oder her.

Gally hat schon vor langer Zeit aufgehört, sich über diesen Teil seines Star-Daseins zu ärgern.

Und doch sind ihm Situationen wie eben beim Probedurchlauf des Drehs immer wieder aufs Neue unangenehm – die Schauspielerinnen können nichts dafür, dass es so strenge Regeln um seine öffentliche Persona gibt. Resigniert schaut er ihnen nach, wie sie wütend davon stürmen.

 

„30 Minuten Umbau!“ ruft der Regisseur. „Ihr beiden geht erst mal ins Kostüm,“ weist er Alby und Fry an, „Du gehst in die Maske,“ das ist Teresas Stichwort, „Und du kannst dich einfach hier entspannen, alles klar?“ Grinst der Regisseur ihn an.

 

“Hier“ bedeutet das Tropenhaus der städtischen Botanischen Gärten. Banana Mobile haben Berlin Mitte für einen Werbespot engagiert und zwischen Interviews, Studioaufnahmen, Musikvideodreh und zwei Livekonzerten musste dieser Termin auch noch irgendwo hinein. In dem Werbespot stolpern die Bandmitglieder durch den Dschungel und beschweren sich darüber, wie verloren sie sind, da ihre Handys kein Netz finden. Dann treffen sie auf die Bananagirls, welche ihnen als Lösung für flächendeckendes Netz Banana Mobile empfehlen.

Soweit Gally es verstanden hat, werden die Bananagirls im tatsächlichen Dreh von einem Schausspieler im Affenkostüm ersetzt. Oder so ähnlich. Er ist zu erledigt um sich wirklich für den Werbespot zu begeistern und eigentlich ist es ihm auch egal. Seit Wochen hat er kaum mehr Zeit für sich gehabt, nicht mal um genug zu schlafen und dankbar nimmt er die angebotenen paar Minuten, um sich etwas abseits der Filmcrew ein abgeschiedenes Plätzchen zwischen Palmen und anderen tropischen Sträuchern zu finden. Gally entdeckt eine Sitzbank in einem ruhigen Teil des riesigen Tropenhauses wo außer ihm niemand ist und macht es sich gemütlich.

Das Tropenhaus ist heute wegen des Filmdrehs für die regulären Besucher geschlossen und wie durch ein Wunder haben auch keine Fans von dem Dreh etwas mitbekommen. Dachte er zumindest.

Er hat es gerade geschafft, die Nachrichten im Familienchat zu lesen und zu beantworten, als er nicht unweit ein Geräusch hört.

Rasch dreht er sich in diese Richtung.

Keine fünf Meter entfernt steht ein junger Mann zwischen den Büschen, “Ups“ steht ihm ebenso ins Gesicht geschrieben, wie der Schreck darüber, dass Gally ihn entdeckt hat.

Das wars dann wohl mit seiner Ruhe, die Fans sind wirklich überall.

Wie dieser eine wohl hier hineingekommen ist? Am Haupteingang steht doch die Security für genau solche Fälle. Und am Hintereingang hängt eine Information, dass das Tropenhaus heute Ruhetag hat. Wie auch immer. Je schneller er das hier abwickelt, um so besser.

Gally setzt sein Fan-Gesicht auf, leuchtende Augen und ein Lächeln, macht einige Schritte in Richtung des Eindringlings und zückt seinen schwarzen Marker, mit dem er immer Autogramme gibt. Sowie es die Situation verlangt, wird er auf lieb machen, aber dann möchte er wirklich seine Ruhe. Warum bekommen eigentlich die Pflanzen einen Ruhetag, er aber nicht?

„Okay, wir machen ein Foto und du bekommst ein Autogramm, aber dann ziehst du ab, okay?“ sagt Gally so freundlich wie möglich.

„Wir machen was?“ fragt der junge Mann.

Gally stutzt.

Für einen Fan wirkt er ziemlich geordnet und ruhig, nicht das übliche Nervenbündel und emotionale Chaos, was Gally normalerweise von seinen Fans gewohnt ist. Aus großen braunen Rehaugen schaut er zu Gally auf, die pure Verwirrung steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Gally ist sicher, dass es nicht weniger verwirrt aussieht. Ist das überhaupt kein Fan? Aber warum versteckt er sich dann hier zwischen den Büschen im geschlossenen Tropenhaus und beobachtet ihn? Was ist hier los? Zerstreut steckt er seinen Marker wieder weg.

Ist er Teil der Filmcrew? Warum dann dieses mysteriöse Verhalten? Und was versteckt er dann unter seiner Jacke?

Der vermeintliche Fan trägt eine dünne blaue Jacke über seinem Hemd und hat diese eng um seinen Körper gewickelt, aber die Ausbeulung unter dem Stoff ist eindeutig, dass da etwas drunter steckt. Nicht so eindeutig vielleicht wie die Wurzeln, die unter dem Jackensaum hervorlugen, mit noch klebriger Erde und allem. Hat er eine Pflanze geklaut? Was? Wer ist das?

Bevor Gally genau das fragen kann, kommt ihm der andere zuvor. Er hat sich aufgerichtet und schaut Gally fest in die Augen.

„Was machst du überhaupt hier?“ Der geschäftige Ton ist nicht, was Gally erwartet hat. „Heute ist geschlossen, die Pflanzen brauchen ihre Ruhe.“ Es ist eindeutig ein Ablenkungsversuch. Ja, das ist dann wohl ein Pflanzendieb. Wer kommt überhaupt auf die Idee, mitten in der Großstadt eine tropische Pflanze klauen zu wollen?

Der Dieb nagt kaum merklich an seiner Unterlippe und Gally nimmt sich einen kurzen Moment Zeit, ihn genauer zu betrachten. Zu den Rehaugen gehört ein Kopf mit strubbeligen dunklen Haaren, ein Haufen Geburtsmale, breite Schultern und große Hände die sich an das Revers der Jacke klammern. Athletischer Körperbau, vielleicht jemand der oft joggen geht – wahrscheinlich um vor der Polizei flüchten zu können? Ein schmaler Mund mit einem schelmischen Zug drumherum. Braungebrannte Haut, aber dunkle Ringe unter den Augen. Gally ist nicht die einzige müde Person hier.

Obwohl er Diebstahl nicht gutheißt, ist ihm der Pflanzenräuber sofort sympathisch und der Versuch, den Spieß umzudrehen, als ob Gally etwas falsch gemacht hätte, ist so süß, dass er einfach nicht anders kann, als darauf einzusteigen.

„So wie diese da?“ fragt er und deutet auf die Ausbeulung unter der Jacke.

Falls ihn das aus dem Konzept bringt, dann lässt er es sich nicht anmerken. Bereitwillig schiebt er den Stoff auseinander und Gally hat den Blick frei auf einige Blätter, die ihn stark an den Rhabarber im Garten seiner Oma erinnern.

„Genau. Die verträgt auch keine Kälte. Deswegen muss man sie immer nah am Körper tragen,“ führt der Dieb fort. Gally runzelt die Stirn, doch er kann es nicht leugnen, der Typ hat gute Nerven. Jetzt kommt er erst richtig in Fahrt. „Und weil wir sie Borneo auswildern wollen und weil sie zu einer sehr seltenen, aussterbenden, fleischfressenden Pflanzensorte gehört, bin ich gerade dabei sie in Qu...,“ hier stockt er das erste Mal, aber fängt sich gleich wieder, „Quarantäne zu bringen.“ Er bemüht sich sichtlich, seine Geschichte glaubwürdig zu halten.

„Mhm,“ macht Gally und er spürt, wie sich sein Lächeln, sein echtes Lächeln auf sein Gesicht stiehlt.

„Wir haben für solche Exemplare extra Brutkästen in Behindertenwerkstätten machen lassen,“ fährt der Dieb tapfer fort. Wäre es nicht so eindeutig gelogen, würde Gally Banana Mobile diesen Kerl für eine Rolle in dem Werbespot vorschlagen. Er hat eindeutig schauspielerisches Talent.

„Die da auf ihre ganz spezielle Art und Weise...,“ probiert er es weiter und Gally sieht wie sich leichte Verzweiflung in die großen braunen Augen stiehlt. Zeit ihn zu erlösen, das hat er sich absolut verdient, Dieb hin oder her. Besonders weil er auch wirklich sehr niedlich ist.

„Wie heißt du denn?“ unterbricht Gally ihn lächelnd und das nimmt ihm endgültig den Wind aus den Segeln.

„Thomas.“ Vorsichtig lächelt Thomas zurück.

Thomas. Thomas der tropische Rhabarberdieb. Das gefällt Gally.

„Und du?“

Mit wem spricht er? Er ist Gally. Popstar Nummer 1, der Schwarm aller Mädchen (nicht nur Mädchen. Thomas ist kein Mädchen und auch wenn er ein Rhabarberdieb ist, es kann kein Zufall sein, dass er genau jetzt hier ist. Hoffentlich ist er ein Fan. Gally mag, was das Lächeln mit Thomas' Gesicht macht. Seine Augen leuchten und da sind diese Grübchen in den Wangen...). Jeder kennt ihn. Einfach jeder weiß wer er ist. Das kann Thomas nicht ernst meinen. Er schaut aus wie höchstens 19, kein Teenager heutzutage lebt so an Popkultur vorbei, dass er keine Ahnung von Berlin Mitte hat. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit.

„Ich?“ fragt Gally ehrlich überrascht.

Thomas lässt seinen Blick suchend hinter Gally schweifen, doch natürlich, sie sind allein.

„Ja, du.“ sagt er dann und echte Neugierde liegt in seinem Blick.

Kann es wirklich sein, dass Thomas keine Ahnung hat wer er ist? Seit Jahren ist Gally nicht mehr in die Situation gekommen, dass er sich wirklich bei jemanden vorstellen musste. Jeder kennt ihn. Er ist kein unbeschriebenes Blatt, ist er schon lange nicht mehr. Tausend Klatschblätter und noch mehr Berlin Mitte süchtige Teenies haben bereits alles über ihn ausgegraben, was Vince und der Plattenvertrag als angemessene Informationen abgesegnet haben und deshalb auch irgendwie zu finden ist, wenn man nur lang genug sucht.

Das hier ist so neu, dass es Gally Gänsehaut macht, während sich ein wohlig warmes Gefühl in seiner Magengegend ausbreitet. Dieser dreiste, mutige, verlogene und irgendwie wunderbare Dieb hat keine Ahnung mit wem er spricht und es ist das Beste, was Gally seit langem passiert ist.

Die Erleichterung, dass er auf jemanden getroffen ist, bei dem er einfach er sein kann, strömt durch ihn und glücklich gibt er ihm die Antwort, die sich nach Glück und Zuhause anfühlt.

 

„Ich bin Galileo.“

Thomas' Lächeln sagt mehr als tausend Worte.

Notes:

oh wow das ist die erste Fic, die ich komplett auf Deutsch geschrieben hab und ich fands super :)
würde mich mega über Feedback freuen!

ach ja, Thomas klaut keinen Rhabarber, sondern eine texanische Fliegenkralle haha sie haben einfach beide keine Ahnung von Pflanzen! Ich würde ja nie auf die Idee kommen eine fleischfressende Pflanze die artengeschützt und alles ist zu entführen, aber Thomas ist eben einfach ein Unikat! 💖